Armutsgefährdung in Rheinland-Pfalz gesunken


Armutsgefährdungsquote bei 14,6 Prozent – Wert liegt unter dem Bundesdurchschnitt

Bad Ems, 29.08.13. Im Jahr 2012 waren 14,6 Prozent der rheinland-pfälzischen Bevölkerung, d. h. gut jeder siebte Einwohner, von Armut bedroht. Wie das Statistische Landesamt in Bad Ems auf Basis der Ergebnisse des Mikrozensus 2012 mitteilt, lag die Armutsgefährdungsquote für Rheinland-Pfalz damit unter den Werten der beiden vorangegangenen Jahre (2011: 15,1 Prozent; 2010: 14,8 Prozent), jedoch über denen der Jahre 2005 bis 2009. Im Bundesdurchschnitt ergab sich im Jahr 2012 eine Armutsgefährdungsquote von 15,2 Prozent, wobei Bremen und Mecklenburg-Vorpommern mit rund 23 Prozent mehr als doppelt so hohe Werte aufwiesen wie Baden-Württemberg und Bayern mit gut 11 Prozent. Lediglich vier Länder verzeichneten im vergangenen Jahr niedrigere Armutsgefährdungsquoten als Rheinland-Pfalz. Gemäß EU-Konvention ist die Armutsgefährdungsquote definiert als Anteil der Personen, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median) der jeweiligen Bevölkerung beträgt. Das hier verwendete Konzept der relativen Einkommensarmut dient somit in erster Linie der Messung der Einkommensverteilung. Der 60-Prozent-Wert wird auch als Armutsgefährdungsschwelle bezeichnet. Unter Zugrundelegung des mittleren Einkommens im gesamten Bundesgebiet (Bundesmedian) liegt er für einen Ein-Personen-Haushalt bei 869 Euro. Für einen Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren errechnet sich – unter Berücksichtigung der Kostenersparnis in einem Mehrpersonenhaushalt – eine Armutsgefährdungsschwelle in Höhe von 1.826 Euro.

L e b e n s a l t e r :

In erhöhtem Maß von Armut bedroht waren unter 18-Jährige (18,4 Prozent) sowie die 18- bis unter 25-Jährigen (21,2 Prozent), die sich noch überwiegend in der Ausbildung befinden dürften. Auch für die Gruppe der 65-Jährigen und Älteren lag die Armutsgefährdungsquote mit 17 Prozent über dem Durchschnitt der Bevölkerung.

G e s c h l e c h t :

Die Armutsgefährdungsquote der rheinland-pfälzischen Männer (13,5 Prozent) lag gut zwei Prozentpunkte unter der Quote der Frauen (15,7 Prozent). Insbesondere ältere Frauen (65 Jahre und älter) wiesen mit 20,2 Prozent eine deutlich höhere Armutsgefährdung auf als gleichaltrige Männer (13,2 Prozent). Hier dürften – z. B. durch Kindererziehungszeiten oder die Pflege von Angehörigen – unterbrochene Erwerbsbiografien der Frauen eine Rolle spielen.

H a u s h a l t s- und F a m i l i e n z u s a m m e n h a n g :

In besonderem Maß armutsgefährdet waren 2012 – wie in den vergangenen Jahren – Alleinerziehende (zumeist Frauen) und deren Kinder unter 18 Jahren, die eine Armutsgefährdungsquote von 45 Prozent aufwiesen. Die Armutsrisikoquote einer Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern lag dagegen bei 10,6 Prozent.

Q u a l i f i k a t i o n s n i v e a u :

Geringqualifizierte wiesen mit 28,2 Prozent eine fast sechsmal so hohe Armutsrisikoquote auf wie Hochqualifizierte (4,9 Prozent).

E r w e r b s s t a t u s :

Unter allen betrachteten Bevölkerungsgruppen waren Erwerbslose am stärksten von Armut bedroht. Die Quote lag im Jahr 2012 bei 49,9 Prozent.

M i g r a t i o n s h i n t e r g r u n d :

Auch Menschen mit Migrationshintergrund (Armutsgefährdungsquote von 25,3 Prozent) waren in erhöhtem Maß von Armut bedroht.

Regionale Unterschiede

Unter den rheinland-pfälzischen Regionen wies die Region Trier im Jahr 2012 das geringste Armutsrisiko auf. Gemessen am Bundesmedian waren dort 12,7 Prozent der Bevölkerung von Armut bedroht. In der Rheinpfalz waren es 13 Prozent, in der Region Mittelrhein-Westerwald 15,2 Prozent, in der Westpfalz 15,3 Prozent sowie in der Region Rheinhessen-Nahe 16,2 Prozent.

Bundesweit die niedrigsten Armutsgefährdungsquoten mit Werten deutlich unter 10 Prozent wiesen Regionen in Baden-Württemberg und Bayern auf, die höchsten Quoten mit rund 25 bzw. 27 Prozent waren in Regionen in Mecklenburg-Vorpommern und Bremen zu verzeichnen. Die Armutsgefährdung kann nach verschiedenen Maßstäben betrachtet werden. Neben dem Vergleich mit dem mittleren Einkommen im Bundesgebiet kann auch der Median des jeweiligen Landes bzw. der jeweiligen Region zugrunde gelegt werden.

Einkommensreichtumsquote

Als Gegenstück zur Armutsgefährdungsquote ist die Einkommensreichtumsquote anzusehen, die nach herrschender Meinung den Anteil der Personen wiedergibt, deren Einkommen 200 Prozent des mittleren Einkommens übersteigt. Auf Basis des Bundesmedians betrug die Einkommensreichtumsquote im Jahr 2012 für Rheinland-Pfalz 9,2 Prozent; vier Bundesländer wiesen eine höhere Quote auf.

Diese und weitere umfangreiche Daten, die im Rahmen der „Sozialberichterstattung der amtlichen Statistik“ durch die statistischen Ämter des Bundes und der Länder regelmäßig aktualisiert und erweitert werden, finden Sie – ergänzt um ausführliche methodische Erläuterungen – im gemeinsamen Statistik-Portal unter http://www.amtliche-sozialberichterstattung.de, oder über einen Link auf der Homepage des statistischen Landesamtes unter der Rubrik »Sozialberichterstattung«.

Die Armutsgefährdungsquoten 2012 und 2011 für Rheinland-Pfalz nach soziodemografischen Merkmalen sind in einer Tabelle unter www.statistik.rlp.de im Themenbereich »Soziales« dargestellt. Die Daten stammen aus der Mikrozensusbefragung 2012. Bei dieser jährlichen Erhebung werden ein Prozent aller Haushalte zu ihrer wirtschaftlichen und sozialen Situation befragt. In Rheinland-Pfalz werden für die Stichprobe des Mikrozensus ca. 18.000 Haushalte ausgewählt. Die Armutsgefährdungsquote bzw. die Einkommensreichtumsquote ist der Anteil der Personen mit einem Äquivalenzeinkommen von weniger als 60 Prozent bzw. mehr als 200 Prozent des Medians der Äquivalenzeinkommen der Bevölkerung in Privathaushalten am Ort der Hauptwohnung. Das Äquivalenzeinkommen wird auf Basis der neuen OECD-Skala berechnet. In die Berechnung gehen alle Haushalte/ Personen mit gültigen Einkommensangaben ein.

Autor: Hans-Peter Fein (Abteilung Bevölkerung und Gesellschaft)

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