Muscheid fordert Ausbildungsplatzgarantie


DGB stellt Ausbildungsreport 2013 vor

Landesvorsitzender Muscheid fordert Ausbildungsplatzgarantie

Mainz, 13.09.13. Auszubildende in Rheinland-Pfalz machen weiterhin in hohem Maße Überstunden, verrichten ausbildungsfremde Tätigkeiten und erhalten teilweise Vergütungen weit unter dem Existenzminimum. Zu diesen Ergebnissen kommt der Ausbildungsreport 2013 für Rheinland- Pfalz, der heute in Mainz vorgestellt wurde. Für den Report wurden dieses Mal 2.146 Auszubildende befragt – so viele wie noch nie. „Damit ist der Ausbildungsreport nicht nur repräsentativ, es war auch erstmals möglich, die Ergebnisse nach Berufen zu differenzieren“, sagte der rheinland-pfälzische DGB-Landesvorsitzende Dietmar Muscheid. Es gibt auch gute Nachrichten: Immerhin zwei Drittel der Befragten bewerten die fachliche Qualität ihrer Ausbildung im Betrieb mit „gut“ oder „sehr gut“. Die Unterschiede zwischen den Berufen sind allerdings groß, der Ausbildungsmarkt ist gespalten. Besonders negativ fällt das Urteil der angehenden Hotelfachleute aus, nur acht Prozent sind mit ihrer Ausbildung „sehr zufrieden“. Besonders positiv urteilen die Kaufleute für Bürokommunikation: 46 Prozent sind hier mit ihrer Ausbildung sehr zufrieden. Der Ausbildungsreport zeigt, dass die Arbeitsbelastung der Auszubildenden in einigen Branchen weiterhin groß ist. Bei den Malern und Lackierern (49 Prozent) sowie bei den Köchen (64 Prozent) sind mehr als fünf Überstunden pro Woche nicht ungewöhnlich. Dazu kommt: Rund 19 Prozent aller Auszubildenden erhalten für Überstunden weder einen Freizeitausgleich noch eine zusätzliche Vergütung. Überhaupt fällt die Ausbildungsvergütung oft zu gering aus. Zwar erhält mittlerweile die Mehrheit der Auszubildenden (79 Prozent) mehr als 500 Euro pro Monat. Doch nach Abzug von Fixkosten wie Miete oder Monatskarte bleibt für viele Auszubildende nicht genug zum Leben übrig. Einkommens-Spitzenreiter sind die Bankkaufleute mit durchschnittlich 946 Euro pro Monat, am wenigsten verdienen Auszubildende in Frisörbetrieben mit durchschnittlich 402 Euro. Dietmar Muscheid forderte die zuständigen Stellen deshalb auf, bei Verstößen gegen die gesetzlichen Mindest-Standards konsequenter durchzugreifen. Er führte an, dass rund 23 Prozent der unter 18-Jährigen angaben, mehr als 40 Stunden pro Woche zu arbeiten – ein klarer Verstoß gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz. „Einzelne Betriebe verstoßen systematisch gegen bestehende Gesetze und kommen dabei viel zu oft ungeschoren davon“, so Muscheid. Deshalb erwartet er ein schnelleres und konsequenteres Eingreifen der Kammern um das Wohl der jungen Menschen nicht aufs Spiel zu setzen. Problematisch sind häufig auch die Inhalte der Ausbildung. Einer von zehn Befragten gab an, „immer oder häufig“ mit ausbildungsfremden Tätigkeiten befasst zu sein. Bei 24 Prozent der Azubis stand der Ausbilder „nie“, „selten“ oder nur „manchmal“ am Arbeitsplatz zur Verfügung. „Der Erfolg der dualen Ausbildung wird dadurch gefährdet“, kritisierte Muscheid. Der Ausbildungsreport zeigt, dass ein Schlüssel zu guter Ausbildung die betriebliche Mitbestimmung ist. So sind 80 Prozent der Auszubildenden in Betrieben, in denen eine Interessenvertretung vorhanden ist, mit der Ausbildung „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“. In Betrieben ohne Mitbestimmung liegt der Anteil bei lediglich 70 Prozent. Auch die Bezahlung ist in Betrieben mit Interessenvertretung besser. „Die duale Ausbildung ist ein deutsches Markenzeichen und findet international Anerkennung“, sagte Muscheid. „Umso wichtiger ist es, die Ergebnisse des Ausbildungsreportes ernst zu nehmen und Konsequenzen zu ziehen.“ Das Augenmerk müsse verstärkt auf die Qualität der Ausbildung gelenkt werden. Eine gute und qualifizierte Ausbildung sei der einzig richtige Weg, den Bedarf an Fachkräften auch in Zukunft zu sichern. „Wir sprechen über eine zentrale Investition in die Zukunft unseres Wirtschaftsstandortes“, erklärte Muscheid. Der DGB-Vorsitzende kritisiert auch, dass viele junge Menschen auf dem Ausbildungsmarkt gar nicht erst Fuß fassen können. So haben im abgeschlossenen Ausbildungsjahr 2012/2013 in RLP nur rund zwei Drittel aller Bewerber einen Ausbildungsplatz erhalten: Von 42.446 Bewerbern um eine duale Ausbildung waren nur 28.407 erfolgreich. „Wir können es uns nicht leisten, diese Menschen für den Arbeitsmarkt zu verlieren“, sagte Muscheid. Er fordert deshalb eine Ausbildungsplatzgarantie: „Alle Bewerber, unabhängig vom formalen Bildungsgrad, müssen die Chance auf eine Ausbildung erhalten.“ Mit dem Ende der Ausbildung erfüllt sich dann die Hoffnung auf Übernahme längst nicht für alle. Nur ein Viertel der Azubis hatte zum Zeitpunkt der Befragung ein Angebot auf Übernahmen bekommen. „In fast allen Studien blicken junge Menschen optimistisch in die Zukunft. Ausnahme ist immer wieder die eigene berufliche Zukunft. Dabei wäre gerade der Beruf so wichtig“, sagte Muscheid. Hintergrund: Für den Ausbildungsreport 2013 wurden im September und Oktober 2012 insgesamt 2.146 Auszubildende in Rheinland-Pfalz zu ihrer Ausbildung befragt. Damit liefert der Report eine Übersicht über die Qualität der Ausbildung aus Sicht der Betroffenen. Die Auswertung erfolgte durch das Marktforschungsinstitut isoplan, Saarbrücken.

Der Ausbildungsreport findet sich auf der Homepage www.west.dgb.de.

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