Kommentar zur Bayernwahl


von Hans-Peter Terno

Mainz, 16.09.13. Wirklich überrascht war gestern Abend niemand: Die CSU erzielte in Bayern die absolute Mehrheit der Landtagsmandate. Sie erreichte nicht ganz die Hälfte der Wählerstimmen. Die vielfältigen Affären, wie die Verwandtenbeschäftigung durch CSU-Landtagsabgeordnete, haben der CSU nicht geschadet. In Bayern gehören Affären offenbar zum Politikstil. „Jo mei, der is scho a Hund“, gilt im schönen Bayernland als Kompliment. Geht es mal schief, kann man immer noch zur Beichte… da wird schnell verziehen.

Der bayrische Volkssport des Fingerhakelns ist zugleich CSU-Regierungskunst. Für ihre Mitwirkung in der Bundesregierung erhakelte sich die CSU unter Franz-Josef Strauß so manche Industrieansiedlung aus der Rüstungsindustrie. Strauß zimmerte den Airbus-Konzern zusammen und sicherte dadurch Arbeitsplätze in Bayern. Die wirtschaftlich saturierte Bayern-CSU nutzte die derzeitige Regierungsbeteiligung, um sich durch den CSU-Verkehrsminister überproportionale Investitionen im Straßenbau zu sichern. Ilse Aigner nutzte ihr Amt als Landwirtschaftsministerin zum Nutzen und Frommen der bayrischen Groß-Agrarier. Das gefiel fast der Hälfte der zur Wahl gegangenen Bayern.

Die FDP aber gefiel nur noch gut 3% der Urnengänger. Nach den berauschenden Leihstimmensiegen in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Nordrein-Westfalen zeigte die FDP mal wieder, dass ihre Stammwählerschaft unter 5% liegt. Die bayrische SPD freute sich zurecht, trotz gestiegener Wahlbeteiligung mehr Stimmen und Prozente als beim letzten Mal zu erreichen… Grüne und Freie Wähler litten unter eben dieser gestiegenen Wahlbeteiligung. Ein Leiden auf hohem Niveau allerdings, beide Parteien erzielten 8,5 respektive 8,6 Prozent.

„Bayern ist nicht Berlin“, rief der Oberstolperer der FDP, Rainer Brüderle, heute morgen im Radio. Außerhalb Bayerns könnten Zweitstimmen der FDP helfen in den Bundestag zu kommen. Nun, die CDU hat seit der Niedersachsenwahl gelernt: zu viele Zweitstimmen können einen bereits demoskopisch vorhergesagten Sieg kosten… Also, was bleibt? Selbst wählen gehen!

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