Herzinfarkt: Zu viele gehen alleine ins Krankenhaus


Weltherztag – Herzinfarktversorgung in Rheinland-Pfalz

Herzinfarktregister MIR-RLP zeigt sehr guten Behandlungsstandard

Ludwigshafen, 30.09.13. Der Herzinfarkt ist in Deutschland eine der Haupttodesursachen. Das Gesundheitsministerium hat zusammen mit der Stiftung Institut für Herzinfarktforschung Ludwigshafen im vergangenen Jahr das landesweite Herzinfarktregister MIR-RLP (Myokard-Infarkt-Register) initiiert. Die Ergebnisse der ersten Registerphase wurden von Minister Schweitzer und dem Leiter der Studie und stellvertretenden Vorsitzenden der Stiftung „Institut für Herzinfarktforschung“, Dr. Anselm K. Gitt, anlässlich des Weltherztages am 29. September heute in Ludwigshafen vorgestellt. „Mit dem Myokardinfarkt-Register Rheinland-Pfalz erhalten wir wichtige Erkenntnisse zur Herzinfarktversorgung im Land. Auf der Grundlage des Registers können wir weitere Verbesserungen mit den Krankenhäusern und dem Rettungsdienst erarbeiten, um eine optimale Versorgung des Herzinfarktes zu gewährleisten“, sagte Schweitzer. Dr. Anselm K. Gitt bilanzierte einen sehr guten Behandlungsstandard in den rheinland-pfälzischen Krankenhäusern. „Die Therapie des akuten Herzinfarktes in Rheinland-Pfalz entspricht den Vorgaben der Leitlinien der kardiologischen Fachgesellschaften. Nahezu alle Patientinnen und Patienten (98,2 Prozent) erhalten eine Wiedereröffnung des beim Herzinfarkt verschlossenen Herzkranzgefäßes mittels einer Herzkatheteruntersuchung und anschließender Aufdehnung und Stentimplantation. Auch die begleitende medikamentöse Therapie ist leitliniengerecht“, so Dr. Gitt. Trotz guter Behandlung sterben in Rheinland-Pfalz auch heute noch 9,1 Prozent dieser Patientinnen und Patienten im Krankenhaus. Die Daten sind vergleichbar mit Daten aus anderen Registererhebungen in Deutschland und Europa. Gesundheitsminister Schweitzer merkte kritisch an, dass viele Patientinnen und Patienten trotz typischer Infarktsymptome nicht den Notarzt über den Notruf 112 rufen, sondern selbst mit großer Zeitverzögerung die Klinik aufsuchen. So kommen immer noch rund 20 Prozent der Patientinnen und Patienten selbstständig ohne Arztbegleitung ins Krankenhaus. Das sei besonders gefährlich, da ein Herzinfarkt oftmals mit Herzrhythmusstörungen einhergehe, die von einem begleitenden Notarzt einfach zu beherrschen wären, ohne ärztliche Hilfe jedoch zum Tod führen könnten. „Wie die Studie aufzeigt, verlieren viele Patientinnen und Patienten wertvolle Zeit, weil sie entweder selbstständig oder durch den Rettungsdienst zunächst in Krankenhäusern ohne Herzkatheterlabor vorgestellt werden, und der Transfer zu einem Herzkatheterlabor zu einer weiteren Verzögerung führt“, erklärte Dr. Gitt. So sei die Zeit bis zur Wiedereröffnung des verschlossenen Herzkranzgefäßes für Patientinnen und Patienten, die von einem Krankenhaus ohne Herzkatheterlabor in ein Krankenhaus mit Herzkatheterlabor verlegt werden müssen, laut Studie im Mittel zwei Stunden länger. „Bei einer akuten Erkrankung wie dem Herzinfarkt ist Zeit jedoch ein ganz entscheidender Faktor“, hob Dr. Gitt hervor. Aus diesem Grund wurden die Ergebnisse der ersten Registerphase zeitnah im Juni 2013 in Versorgungsgebietskonferenzen mit den Krankenhäusern der verschiedenen Regionen diskutiert und weitere Verbesserungsmaßnahmen festgelegt. „Insgesamt“, so resümierte der Minister, „steht die ständige Aufklärung der Patienten über die Symptome des Herzinfarktes, die reibungslose Zusammenarbeit zwischen den Krankenhäusern mit und ohne Herzkatheterlabor sowie die Einbindung des Rettungsdienstes im Mittelpunkt unserer weiteren Arbeit.“ Im November 2013 beginne die letzte Phase des Registers mit der erneuten Dokumentation aller Herzinfarktpatienten in Rheinland-Pfalz, kündigten Schweitzer und Dr. Gitt an. Der Gesundheitsminister bedankte sich bei allen Krankenhäusern in Rheinland-Pfalz, die an dem landesweiten Infarkt-Register teilnehmen. „Nur durch eine umfassende Teilnahme an der Studie können wir ein flächendeckendes Bild über die Versorgung in Rheinland-Pfalz erhalten und eine weitere Qualitätsverbesserung erreichen“, betonte Schweitzer. Den teilnehmenden Krankenhäusern wird als Auszeichnung für die Qualität der Herzinfarktversorgung ein Zertifikat über die Teilnahme an dem Registerprogramm verliehen.

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