Kommentar zum neuen Einkaufszentrum in Mainz

ECE in Mainz?

von Hans-Peter Terno

Mainz, 17.10.13. Ein spätes Kind des schon längst pensionierten Mainzer Baudezernenten, Norbert Schüler, soll das Licht der Welt erblicken: Ein neues, überdachtes Einkaufszentrum an der Mainzer Ludwigsstraße. Der Traum des „Erbauers des neuen Mainz“, Norbert Schüler, eine Einkaufspassage wie im 19. Jahrhundert in Wien oder in Mailand, wird sich zwar so nicht erfüllen, es wird eben ein Einkaufszentrum, wie im 21. Jahrhundert, aber es wird immerhin ein alle Grenzen sprengendes Einkaufszentrum. 28.000 qm zusätzliche Verkaufsfläche, 3.000 qm Gastronomiefläche werden den Mainzer Einzelhandel gewaltig unter Druck setzen.

Der Mainzer Einzelhandel durchzieht weitläufig die gesamte Innenstadt. Diese hat die alte Gassenstruktur trotz Wiederaufbau weitgehen erhalten, und so lädt sie heute zu beschaulichen Einkaufsbummeln ein. Einkaufszentren wie die Römerpassage und der Brand weisen einen Mix von Wohnungen, Büros, Dienstleistern, Läden und Gastronomie auf, spiegeln also die Struktur der gesamten Innenstadt im Gegensatz zum neuen Einkaufszentrum wider. Fraglich ist, ob, wer die 28.000 qm Einkaufsfläche und die 3.000qm Gastronomie an der Ludwigsstraße hinter sich gebracht hat, noch die Kraft hat, durch die weitläufige Innenstadt zu bummeln. Zu befürchten steht eher, dass das neue Einkaufszentrum wie ein Schwamm die Käufer aufsaugt und diese vollbepackt wieder nach Hause entlässt.

Die Bürgerinitiative Ludwigsstraße und die Parteien des Ortsbeirates Innenstadt hatten ein wesentlich kleineres Einkaufszentrum gefordert, um dem bereits vorhandenen Handel nicht übermäßig Konkurrenz zu machen. Sie hatten gemeinsam Richtlinien erarbeitet, die letztendlich der Stadtrat beschloss. Der Stadtvorstand sah diese Richtlinien als Verhandlungsgrundlage mit ECE an. Heraus kam jetzt ein optisch aufgelockertes Einkaufszentrum mit überdachten Glaspassagen…

Widerstand von Seiten der Bürgerinitiative und der Parteien des Stadtteils ist zu erwarten. Im kommenden Frühling sind Kommunalwahlen, diese dürften in Mainz heiß werden. Insbesondere die SPD muss aufpassen. In den beiden letzten Kommunalwahlen gab es für die Partei durch die Voten für das Zementwerk in Weisenau und das Kohlekraftwerk zurückgehende Wähleranteile. Das Zementwerk ist verschwunden, das Kohlekraftwerk wurde nie realisiert, die Mainzer SPD ist geschrumpft…

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