Ausbildungsabbrecher sind meist Ausbildungswechsler


Untersuchung im Handwerk

Lemke und Hellrich: „Wenn Auszubildende ihren Vertrag lösen, orientieren sie sich zumeist neu“

Mainz, 18.10.13. Weniger Auszubildende im Handwerk als die Statistik ausweist, brechen ihre Ausbildung ab. Das zeigen die Ergebnisse einer Untersuchung der Handwerkskammer der Pfalz, des Wirtschaftsministeriums und der Universität Mainz. Selbst der Großteil der Jugendlichen, die ihren Ausbildungsvertrag kündigen, wollen nicht ihren Ausbildungswunsch aufgeben, sondern neue Wege gehen: Sie wechseln zum Beispiel den Beruf oder den Ausbildungsbetrieb.

Aufgrund der jetzt veröffentlichten wissenschaftlichen Untersuchung fordern Wirtschaftsministerin Eveline Lemke und Ralf Hellrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer der Pfalz, eine Neubewertung der Diskussion über die vorzeitige Lösung von Ausbildungsverträgen im Handwerk. „Es ist ein verzerrtes Bild entstanden, wenn von Jugendlichen ohne Durchhaltewillen und von Ausbildungsabbrüchen die Rede ist“, sagte Lemke.

Weil im Handwerk überproportional viele Ausbildungsverhältnisse vorzeitig aufgelöst werden, sehe sich dieser Wirtschaftsbereich häufiger Kritik ausgesetzt, ergänzte Hellrich. Tatsächlich wechselte aber ein Drittel nur Beruf oder Ausbildungsbetrieb. 486 Jugendliche, die ihr Ausbildungsverhältnis zwischen Juli und November 2012 im Bezirk der Handwerkskammer der Pfalz aufgelöst hatten, wurden angeschrieben. 183 Jugendliche gaben in der Befragung Auskunft.

Die Untersuchung stellt dar: Rund 35 Prozent der Jugendlichen orientieren sich nach der Vertragsauflösung neu und bleiben im dualen Ausbildungssystem. 26,4 Prozent gaben an, sich im gleichen Beruf, aber in einem anderen Betrieb auszubilden. 3,8 Prozent wählten einen anderen Ausbildungsberuf im Handwerk. 4,9 Prozent entschieden sich für eine duale Ausbildung in einem anderen Wirtschaftsbereich. Zwei Drittel plant wieder eine berufliche Ausbildung während ein Drittel noch keine neuen beruflichen Pläne haben.

Bei 40,7 Prozent der Befragten wurde der Ausbildungsvertrag in den ersten Monaten durch die Betriebe aufgelöst, 28,8 Prozent der Auszubildenden gaben an, diesen Schritt selbst initiiert zu haben. 30,5 Prozent berichten von einer Vertragsauflösung im gegenseitigen Einvernehmen. Gründe für vorzeitige Vertragsauflösungen sind vor allem innerbetriebliche Probleme wie Konflikte zwischen Auszubildendem und Ausbilder (47 Prozent). Auch falsche Berufsvorstellungen (17 Prozent), gesundheitliche Probleme (22 Prozent), das Finden einer besseren Ausbildungsstelle (15 Prozent) und mangelnde Motivation (18 Prozent) führen zu dieser Entscheidung.

Sind falsche Berufvorstellungen der Grund gewesen, so war vor der Berufswahl häufig die Berufsorientierung mangelhaft. Für die Schulabgänger sind folgende Informationsquellen von großem Einfluss: die Familie (45 Prozent), Freunde (32 Prozent), Internet (26 Prozent), Arbeitsagentur (23 Prozent) sowie Schule/Lehrer (22 Prozent). Besser informierte Auszubildende beurteilen auch die Ausbildungsqualität besser. „Wichtige Weichen für den Ausbildungserfolg werden noch in der Schulzeit gelegt. Gut informierte junge Menschen können mit einem besseren Ausbildungserfolg rechnen“, betont Wirtschaftsministerin Lemke. Hauptgeschäftsführer Hellrich wünscht den Ausbau und die Verbesserung von Maßnahmen zur Berufsorientierung an den Schulen.

Die Ausbildungsberater der Handwerkskammern stehen Jugendlichen und Ausbildungsunternehmen auch in schwierigen Phasen eines Ausbildungsverhältnisses als Ansprechpartner zur Verfügung.

Eine Kurzfassung der Untersuchung ist im Internet abrufbar unter www.hwk-pfalz.de.

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