Zu wenig Gemüse und Obst im Altersheim


Ernährungspolitik

Speiseplanchecks in Seniorenheimen: Großes Interesse an Beratung, Optimierungsbedarf bei Gemüse und fettarmen Speisen

Mainz, 02.11.13. Die ersten Ergebnisse von Speiseplanchecks in Senioreneinrichtungen stellten am Donnerstag Ernährungsministerin Ulrike Höfken und die Lebensmittelexpertin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, Waltraud Fesser bei einer Pressekonferenz im Rahmen der ‚Woche der Demografie‘ vor. „Die bisherigen Checks in 14 Häusern zeigen, dass die Verpflegung an vielen Stellen optimiert werden kann. Gleichzeitig macht das Engagement der Einrichtungen den großen Bedarf an Beratungsangeboten deutlich“, zog Höfken in einem Seniorenheim in Neuerburg Bilanz und bedankte sich herzlich bei den teilnehmenden Häusern. „Alle Einrichtungen legen erfreulicherweise viel Wert auf die Wünsche und Anforderungen der Bewohner. Fast durchgehend aber ist die Energiezufuhr durch zucker- und fettreiche Lebensmittel zu hoch und in keiner Einrichtung entspricht die Häufigkeit an Gemüse den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Die Menge an Getreide- und Milchprodukten entspricht jedoch überall den Anforderungen“, so das Fazit Fessers. Neuere Studien unterstreichen, dass eine Ernährung mit mehr Obst, Gemüse und Vollkornprodukten und weniger fettreichen, tierischen Lebensmittel, bis zu 90 Prozent aller Diabeteserkrankungen, bis zu 80 Prozent aller Herzinfarkte und rund 50 Prozent aller Schlaganfälle vermeiden könne. Das bedeute nicht nur mehr Lebensqualität, ernährungsbedingte Krankheiten seien auch für rund zwei Drittel aller Kosten im Gesundheitssystem verantwortlich, führt die Ministerin an. Das Ernährungsministerium richte sich daher mit seiner breit angelegten Kampagne „Rheinland-Pfalz isst besser“, mit Checks, Beratungen, Schulobstprogramm oder Informationen an alle Bürgerinnen und Bürger, vom Kindergarten bis zu den Seniorinnen und Senioren. „Im Zuge des demografischen Wandels wird eine bedarfsgerechte Verpflegung in der Altenpflege zunehmend zum Thema für Gemeinschaftsverpflegungen“, sagte Fesser. Deshalb biete die Verbraucherzentrale seit Anfang 2013 Senioreneinrichtungen die Speiseplanchecks an. Die freiwilligen Checks basieren auf dem Qualitätsstandard der DGE. Sie sind Teil des vom Ernährungsministerium geförderten Projekts „Gut versorgt ins hohe Alter – Bedarfsgerechte Verpflegung in Einrichtungen der Altenhilfe“. Die Ergebnisse zeigten, dass das Projekt in eine Lücke stoße, erklärten Höfken und Fesser. Zur Auswertung wurden nicht nur die Speisepläne und ein Fragebogen herangezogen, sondern auch Gespräche mit den Einrichtungen geführt, um die jeweiligen Anforderungen zum Beispiel besonders pflegebedürftiger Senioren zu berücksichtigen. Darüber hinaus wurden inzwischen durch den Kooperationspartner Qualitätszirkel Ernährung Rheinland-Pfalz (QZE) in mehr als 40 Seminaren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Pflege, Küche und Hauswirtschaft fit gemacht für eine ausgewogene Verpflegung der Bewohner. In Rheinland-Pfalz lebten 2010 über 800.000 Menschen über 65 Jahre, das ist ein Fünftel der Gesamtbevölkerung. Und die Zahl älterer Bürgerinnen und Bürger wird weiter zunehmen: Im Jahr 2060 wird jeder dritte Einwohner von Rheinland-Pfalz 65 Jahre und älter sein.

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