Mehr Unterstützung bei Berufs- und Studienwahl


Ovaler Tisch für Ausbildung und Fachkräftesicherung

Berufswahl intensivieren – Jugendliche gezielter unterstützen

Mainz, 11.12.13. „Die Zusammenarbeit am „Ovalen Tisch für Ausbildung und Fachkräftesicherung“ ist erfolgreich. Orientiert an den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes haben die Partner Förderprogramme auf den Weg gebracht und die Berufswahl und Studienberatung intensiviert. Wir haben beispielsweise verpflichtend für alle weiterführenden Schulen in Rheinland-Pfalz Mindestanforderungen für die Berufswahl- und Studienorientierung festgelegt“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer nach der Sitzung des Gremiums am Dienstag. Als positives Ergebnis der aktuellen Vereinbarung nannte sie die Absenkung der Zahl der Schülerinnen und Schüler, die ohne Abschluss die allgemein bildende Schule verlassen haben, auf 5,5 Prozent im Jahr 2013. Ein weiteres Erfolgsbeispiel sei das Angebot an dualen Studiengängen, das mittlerweile auf über 50 erweitert werden konnte. „Über 25.000 junge Menschen haben von Oktober 2012 bis September 2013 einen Ausbildungsvertrag unterschrieben. Dennoch konnten in diesem Zeitraum nicht alle Ausbildungsstellen besetzt werden und nicht alle Jugendlichen konnten einen passenden Ausbildungsplatz finden“, sagte Ministerpräsidentin Dreyer. Die Unterstützung von Jugendlichen mit intensivem Förderbedarf solle daher ebenso wie die Stärkung der dualen Ausbildung und die Verbesserung der Berufs- und Studienorientierung Kernthema einer neuen Vereinbarung der Partner des Ovalen Tischs im nächsten Jahr werden. Wirtschaftsministerin Eveline Lemke wertete den Beginn der am 5. November 2013 vom Ovalen Tisch gestarteten Kampagne Nach vorne führen viele Wege [www.vielewege.rlp.de] als Erfolg: „Mit der Kampagne wollen wir deutlich machen: Offenheit und Durchlässigkeit kennzeichnen das rheinland-pfälzische Bildungssystem. Die duale Ausbildung ist dabei eine gleichwertige Alternative zu weiterer Schulausbildung oder zu einem Studium“, erklärte Lemke. Mit einem Elternabend zum Thema Berufsorientierung am 18. November 2013 sei es an insgesamt 50 Schulen gelungen, über 4.000 Eltern und Schüler zu erreichen. An allen Elternabenden nahmen Persönlichkeiten aus dem Umfeld des Ovalen Tisches teil, auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer. „Unsere Daten zeigen, dass zu Beginn des Ausbildungsjahres Ende September noch rund 720 Jugendliche eine Ausbildungsstelle suchten, obwohl noch rund 1.300 offene Ausbildungsstellen zur Verfügung standen. An diesem Punkt können die Partner des Ovalen Tischs sicherlich noch einiges bewirken“, erklärte Heidrun Schulz, die Leiterin der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit. „Für eine gute Perspektive auf dem Arbeitsmarkt wird eine qualifizierte Berufsausbildung künftig noch wichtiger sein. Gleichzeitig wird die Zahl der Schulabgänger und damit auch der Neubewerber in den kommenden Jahren in Rheinland-Pfalz zurückgehen. Daher dürfen wir keine Bewerberinnen und Bewerber zurücklassen. Wir müssen uns gemeinsam um die Sicherung des Fachkräftebedarfs bemühen und dabei auch jungen Menschen mit etwas mehr Unterstützungsbedarf eine Chance geben“, ergänzte Arbeitsminister Alexander Schweitzer. Nach wie vor ist die Lage auf dem Ausbildungsmarkt gerade für die Jugendlichen, die sich schon länger um einen Ausbildungsplatz bemühen, angespannt. Wir erhoffen, dass sich im Rahmen des Ovalen Tisches auch für die bislang auf dem Ausbildungsmarkt benachteiligten Jugendlichen endlich berufliche Perspektiven eröffnen“, sagte DGB Bezirksleiter West Dietmar Muscheid. Die ‚Bestenauslese‘ der letzten Jahre können sich die Unternehmen und auch die gesamte Gesellschaft hierzulande nicht länger leisten. Die in diesem Jahr gestiegene Zahl unbesetzter Ausbildungsstellen darf nicht zu dem Schluss verleiten, die Lage auf dem Ausbildungsmarkt hätte sich entspannt. Denn häufig haben gerade die Betriebe mit unbesetzten Stellen schlechte Ausbildungsbedingungen“, so Muscheid. Im Bereich der Industrie- und Handelskammern von Rheinland-Pfalz gab es Ende September bei den neu eingetragenen Ausbildungsverträgen einen Rückgang von 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. „Dieser Trend dürfte sich“, so Peter Adrian, Präsident der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz, „bis zum Ende des Jahres fortsetzen. Dass es auf der anderen Seite noch fast 1.300 offene Ausbildungsstellen im Land gab, zeigt deutlich, dass die Zahl der Ausbildungsverträge hätte höher ausfallen können und dass die Schwierigkeiten bei der Besetzung der Stellen zunehmen.“ Sorge bereitet weiterhin, wenn Firmen trotz des zunehmenden Bewerbermangels immer noch sagen, dass sie auf Neueinstellungen wegen nicht genügender Eingangsvoraussetzungen mancher Jugendlicher verzichten müssen, weil sie den Ausbildungserfolg nicht sicherstellen können. „Hier müssen wir mit der neuen Vereinbarung gegensteuern“, so der IHK-ARGE Präsident. Dieser Einschätzung schloss sich LVU-Präsident Dr. Gerhard F. Braun an. Es werde immer wichtiger, junge Menschen in der Schule optimal auf das spätere Berufsleben vorzubereiten. „Nur durch eine gute Berufsorientierung können Fehlentscheidungen bei der Berufs- und Studienwahl vermieden werden. Schülerinnen und Schüler müssen frühzeitig erfahren, worauf es in Betrieben ankommt. Und sie sollten das ganze Spektrum der beruflichen Möglichkeiten kennen lernen statt sich auf wenige populäre Berufe zu konzentrieren“, erklärte Braun. Präsident Karl Josef Wirges, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Handwerkskammern, sieht die Sicherung des Fachkräftebedarfs über eine attraktive Gestaltung der dualen Ausbildung als eine der wesentlichen Herausforderungen für das Handwerk. „Dazu muss aber die Berufsorientierung an allen allgemein bildenden Schulen weiter ausgebaut und die Gleichwertigkeit von allgemeiner und beruflicher Bildung forciert werden. Eine übertriebene Bewertung der akademischen Bildung sollte vermieden werden“, sagte Wirges. Ein Projekt im Rahmen des Ovalen Tisches ist das Projekt „Coach für betriebliche Ausbildung“. Es wird in den kommenden Jahren von den Handwerkskammern mit finanzieller Unterstützung des Wirtschaftsministeriums und der Bundesagentur für Arbeit fortgeführt. Die beteiligten Organisationen haben am Rande der Sitzung des Ovalen Tischs hierzu eine Vereinbarung unterzeichnet. „Mit der Fortschreibung des Coach-Projektes wird gewährleistet, dass Betriebe genauso wie ausbildungswillige junge Menschen eine gezielte Unterstützung bei einer Vermittlung in Ausbildung und während der Ausbildung erhalten“, so Karl Josef Wirges. Eng mit den landesweit elf Coaches würden Migrations-Netzwerker arbeiten. Sie würden sich intensiv um die Begleitung und Betreuung junger Migranten und Migrantinnen in der Ausbildung bemühen. Der Ovale Tisch für Ausbildung und Fachkräftesicherung ist eine rheinland-pfälzische Besonderheit. Ihm gehören die Staatskanzlei sowie das Wirtschafts-, Bildungs- und Arbeitsministerium der Landesregierung, die Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit, die Industrie- und Handelskammern, die Handwerkskammern, die Landwirtschaftskammer, die Lndesvereinigung Unternehmerverbände, der Verband der Freien Berufe, der Einzelhandelsverband, der Hotel- und Gaststättenverband sowie der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Gewerkschaften IG BCE, IG Metall und ver.di. Unter der Leitung von Ministerpräsidentin Malu Dreyer beraten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer regelmäßig über die Situation auf dem Ausbildungsmarkt und die Sicherung des Fachkräftebedarfs.

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