Nejue minimal-imvasive Behandlung von Spätfolgen eines Vorderwandinfarktes


Neue minimal-invasive Behandlungsmethode von Spätfolgen eines
Vorderwandinfarktes

Kardiologen der Universitätsmedizin Mainz erweitern Spektrum
minimal-invasiver Eingriffe

(Mainz, 19. April 2017, ok) Mit erstmalig eingesetzter modernster
dreidimensionaler Bildgebung ist es im Herzzentrum der
Universitätsmedizin Mainz gelungen, die krankhafte Aussackung der
Herzspitze und die dadurch bedingte Herzschwäche nach einem
Vorderwandinfarkt zu beseitigen. Diese minimal-invasive, besonders
schonende Methode ist in dieser Form weltweit erstmals durchgeführt
worden. Was den neuen Ansatz von der etablierten Methode unterscheidet:
Die Ärzte mussten
bei diesem Eingriff den Brustkorb der 53-jährigen Patientin nicht
öffnen. Auch konnten sie auf den Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine
verzichten.

Der Eingriff erfolgte unter Vollnarkose bei schlagendem Herzen. Das
OP-Team um die Kardiologen Dr. Ralph Stephan von Bardeleben und PD Dr.
Eberhard Schulz
sowie Dr. Walter Kasper-König aus der Klinik und Poliklinik für
Herz-Thorax- und Gefäßchirurgie platzierte dabei über die rechte
Halsvene und die Herzspitze
unterhalb der linken Brust vier Titananker im rechten Herzen und an der
Außenseite des linken Herzens. Mittels der Titananker gelang es, die
Aussackung
des Herzens (im Fachjargon Aneurysma) zu entfernen.

Zuvor wurde der Eingriff mit dreidimensionaler Bildgebung geplant. Dabei
kam die so genannte Multislice-Computertomographie (MSCT) in Verbindung
mit der
3D-Echokardiographie und der Fluoroskopie (Röntgendurchleuchtung) zur
Anwendung. Mittels MSCT lassen sich die Herzkranzgefäße ohne
Kathetereingriff darstellen.
Die 3D-Echokardiographie dient der genauen Volumen- und
Massenbestimmungen von kardialen Strukturen, während die Fluoroskopie
die Darstellung dynamischer
Vorgänge wie beispielsweise der Herzfrequenz im menschlichen Körper
ermöglicht. Darüber hinaus kam zur dreidimensionalen Rekonstruktion des
Herzens ein neuartiger Bildfusionsimulator zum Einsatz. Dieser
Bildfusionsimulator fügte das zuvor aus verschiedenen Bildquellen
gewonnene Datenmaterial zusammen.
Auf Basis der so gewonnenen Daten über das geschädigte Herz konnte das
OP-Team den softwaregestützten Eingriff mit höchster Präzision durchführen.

„Die Patientin konnte bereits am Eingriffstag extubiert, am Folgetag zum
Gehen mobilisiert und nach nur fünf Tagen voll mobilisiert und
beschwerdefrei nach
Hause entlassen werden. Wir sind mit dem Ergebnis dieser erstmals
weltweit fusionsgesteuerten Implantation sehr zufrieden“, stellte Dr.
Ralph Stephan von
Bardeleben fest. „Dieser Eingriff zeigt den hohen technischen Standard
und die Innovationsbereitschaft bei den minimal-invasiven Herzeingriffen
an der
Universitätsmedizin Mainz“, so Dr. von Bardeleben weiter.

Zwei Tage nach dem Eingriff erfolgte die Erfolgskontrolle mit
3D-Ultraschall und 3D-Computertomographie. „Es zeigte sich eine
verbesserte Form des linken
Herzens, eine Abnahme der Größe der krankhaft erweiterten Herzkammer um
30 Prozent und eine leichte Zunahme der Pumpleistung des linken Herzens
um 20 Prozent“,
erklärte Dr. Eberhard Schulz.

Nach Überzeugung von Dr. Walter Kasper-König ist der neuartige Eingriff
nicht nur besonders schonend. Auch lassen sich im Vergleich zu
konventionellen Verfahren Thrombosen vermeiden: „Durch die Verkleinerung
der Herzhöhlengröße ohne Eröffnung des Brustkorbes und ohne Verwendung
von körperfremden Patchmaterialien
haben mehr Patienten eine Chance von dieser Therapie auch ohne
thrombotische Komplikationen oder Blutungen zu profitieren.“

Nach Ansicht des Direktors der Kardiologie I am Zentrum für Kardiologie
der Universitätsmedizin Mainz, Univ.-Prof. Dr. Thomas Münzel, hat die
steigende
Zahl der Interventionen und der hohe Erfahrungsstand der implantierenden
Ärzte dazu geführt, dass die Verfahren insgesamt immer sicherer geworden
sind.
„Von der neuen minimal-invasiven Methode zur Behandlung von Spätfolgen
eines Vorderwandinfarktes profitieren vor allem Patienten mit
zahlreichen Begleiterkrankungen.
Denn charakteristisch für das neue Verfahren ist die sehr geringe
Komplikationsrate“, sagte Univ.-Prof. Dr. Thomas Münzel.

„Ein Erfolgsgarant der kontinuierlichen Weiterentwicklung des Spektrums
minimal-invasiver Eingriffe im Herzzentrum der Universitätsmedizin Mainz
ist die
enge Kooperation von erfahrenen interventionellen Kardiologen mit den
interventionell tätigen Spezialisten der Klinik und Poliklinik für
Herz-, Thorax-,
und Gefäßchirurgie“, betonte der Direktor der Klinik und Poliklinik für
Herz-, Thorax-, und Gefäßchirurgie, Univ.-Prof. Dr. Christian Vahl.

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