Sonntagskommentar: Sommerferien vorbei – Hausaufgaben erledigt

von Hans-Peter Terno

Mainz, 13.08.17. Der Sommer geht zur Neige, vorübergehend zumindest.
Das momentane Wetter passt zum Ende der Sommerferien, auch wenn der
Hochsommer mit dem ersten Schultag, kein Mensch weiß, für wie lange,
zunächst zurückkehrt. Oma und Opa, die sich um ihren schulpflichtigen
Nachwuchs während der Ferienzeit kümmerten, können am morgigen Montag
endlich wieder länger schlafen. Die Eltern der Schulkinder, die in den Ferien
arbeiten müssen, brauchen endlich nicht mehr ewig zu organisieren, um die
Vereinbarkeit von Familie und Beruf sicherzustellen.

Sicher, es gibt tolle Angebote für die Kinder, die mit ihren Eltern nicht in Urlaub
sind und kein Hotel Oma haben oder nutzen wollen. Aber, fast kein Feriencamp
dauert die sechs Wochen der Schulferien. Auch fallen manche dieser Camps
ausgerechnet in die 14 Tage, in denen die Eltern ebenfalls Ferien haben. Sie
haben zwar Anspruch auf mehr Urlaubstage, aber da sind ja auch noch die Oster-,
Herbst- und Weihnachtsferien. Auch wenn es so manchem Schulkind so erscheint,
als ob am Montag wieder eine unendlich wirkende Folge von Schultagen auf es
wartet – die Herbstferien stehen schon in den Startlöchern.

Manche Kinder forschen wissbegierig in den Sommeruniversitäten, andere
müssen einen Teil ihrer Ferien mit Nachhilfelehrer/innen verbringen, um
versäumte Hausaufgaben mit den erforderlichen Lernschritten nachzuholen.

Am letzten Ferientag vor dem letzten Ferienwochenende präsentierte das
SWR-Fernsehen Regierungschefin Malu Dreyer im letzten der Sommerinterviews
mit führenden LandespolitikerInnen. Die Sommerinterviews wurden auf der
Mainz gegenüberliegenden Rheinseite im hessischen Ausland gedreht. Vom
Rheinstrand in Mainz-Kastel gibt es einen schönen Blick auf die Landeshauptstadt,
das Regierungsviertel und die direkt der Theodor-Heuss-Brücke gegenüberliegende
Staatskanzlei, dem Arbeitsplatz der Ministerpräsidentin.

Das Sommerinterview mit der schlagfertigen Regierungschefin wurde von
einem SWR-Moderator geführt, der Unsicherheiten zeigte. Die Ministerpräsidentin
parierte die Fragen mit Witz und Klarheit zugleich.

Malu Dreyer kann auch nach etwas mehr als einem Jahr der ersten Legislaturperiode
der Ampel-Koalition zufrieden sein. Auch wenn der SWR in einer Bebilderung des
Interviews rot-, gelb- und grünfarbige Flaschen zeigte, von denen einige umgefallen
waren. Malu Dreyer betonte die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit ihrer
Regierungskoalition.

Auch der Verkauf des Flughafen Frankfurt Hahn an die chinesische HNA Airport
Group ist ja nicht nur in trockenen Tüchern, sondern wurde auch abgewickelt. Der
Hahn gehört jetzt mehrheitlich der HNA-Group. Den Rest hält Hessen, das vergeblich
einen Käufer sucht. Dieses Bundesland wird zunächst wohl auch keine Rendite für
die Flughafen-Anteile einstreichen können.
Die mit dem Verkäufer vereinbarten Investitionen der HNA-Group werden vom Land
ja nur zu 50% kofinanziert, wie die EU-Kommission dem Land genehmigte. So hat das
Land im Laufe der Aktivitäten der HNA-Group die Kontrolle, ob die vereinbarten
Aktivitäten auch erfüllt werden.

In jeder der Anmoderationen zu den Sommerinterviews im SWR-Fernsehen wurde
das Thema Hahnverkauf erwähnt. Malu Dreyer konnte nun den Vollzug melden, das
Land hat seine Hausaufgaben also gemacht und dazu den Segen der EU-Kommission
erhalten. Wie sagte einst Helmut Kohl? Entscheidend ist, was hinten rauskommt.

Der Hahn bietet der HNA-Group viele Chancen. Das bevorstehende Karl-Marx-Jahr
in Trier wird viele chinesische Touristen anlocken. Neben Karl Marx reizt die chinesischen
Touristen auch die Schlösser- und Burgenlandschaft an Mittelrheintal und Mosel.
Der Frachtflugbereich hat schon jetzt Auftrieb und wird noch weiter steigen, wenn die
A1 und der Hochmoselübergang fertig gestellt sind. Der Hahn liegt so verkehrsgünstig
zwischen Antwerpen, Rotterdam und Bremen sowie dem Rhein-Main-Gebiet.
Angesichts dieser Voraussetzungen ist es verständlich, dass die HNA Airport Group,
die weltweit in Flughäfen investiert hat, nun auch den Hahn kaufte. Das Land hat so
einen starken und verlässlichen Partner bei dem weiteren Ausbau der Wirtschaftskraft
der Hunsrück-/Rhein-Mosel-Region.

Dazu gehört aber auch ein Investitionsprogramm, um die touristische Infrastruktur an
Rhein und Mosel auszubauen. Viele der Betriebe sind noch auf die Billig-Bus-Touristen
aus dem Ruhrgebiet ausgerichtet. Manche Moseldörfer leben vom den Tagestouristen
der Moselschifffahrt. Alte Betriebe mit alten Inhabern, denen nicht nur das Geld, sondern
auch der Mut zu weiterführenden Investitionen fehlt. Dies ist eines der Hauptprobleme
der touristischen Infrastruktur an Rhein und Mosel.

Um mehr investieren zu können, müssen die Betriebe vergrößert, modernisiert und die
Qualität gesteigert werden. Nur so werden Umsätze erreicht, die den Inhabern die
Möglichkeit geben, die Investitionskosten zu schultern und dem Personal ein
angemessenes Gehalt zu zahlen. Der Betrieb, der von den neuen chinesischen Gästen
profitieren will, muss sein Personal schulen. Chinesen sprechen Chinesisch. Mit
englischen Grundsprachkenntnissen kommt der deutsche Kellner nicht zurecht.
Er muss Chinesisch in notwendigem Umfang lernen, sich über die Tischsitten seiner
zukünftigen Gäste informieren. Das gilt für alle Berufsgruppen im Tourismus, bis hin
in die Fremdenverkehrsämter.

Rheinland-Pfalz wirbt in China für rheinland-pfälzischen Wein. Das wäre natürlich zu
verbinden mit den touristischen Angeboten der HNA-Group. Welcher chinesische Freund
deutschen Weines möchte nicht das Ursprungsland kennenlernen?
Jedes Geschäft und jeder Markt birgt auch Risiken. Wenn sich der nordkoreanisch-
nordamerikanische Konflikt bis zum Krieg aufstacheln sollte, ist es erst einmal mit
touristischen Plänen Chinas Sense. Hoffen wir, dass das Säbelrasseln der beiden
Konfliktpartner beim Rasseln bleibt.

Im global village hat jeder Konflikt seine Auswirkungen in allen Ecken. Aber wegen
der Risiken auf die Möglichkeiten einer ertragreichen Entwicklung zu verzichten?
Das bedeutete letztlich den Start zu einem Rückschritt, dessen Folgen kaum noch
auszumerzen sein würden.

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