Senioren bekommen oft für sie riskante Medikamente


Senioren bekommen oft für sie riskante Medikamente

Mainz, 11. Oktober 2017 – Rheinland-Pfalz weist bundesweit mit den
höchsten Anteil an alten Menschen auf, denen ein Medikament verordnet
wurde, das potenziell
mehr Risiko als Nutzen für sie hat. Das zeigt der BARMER
Arzneimittelreport, den Professor Daniel Grandt, Chefarzt am Klinikum
Saarbrücken, erstellt hat.
„Es gibt Arzneimittel, deren Einnahme für ältere Menschen kritisch ist.
Sie sind auf der sogenannten PRISCUS-Liste aufgeführt“, erklärt Dunja
Kleis, Landesgeschäftsführerin
der BARMER in Rheinland-Pfalz und im Saarland.

Mehr als jeder vierte Rheinland-Pfälzer über 65 Jahren (25,43 Prozent)
hat im Jahr 2016 ein PRISCUS-Medikament erhalten. Damit liegt
Rheinland-Pfalz im
Vergleich aller Bundesländer knapp hinter dem Saarland (25,93 Prozent)
und Nordrhein-Westfalen (25,46 Prozent) auf Platz drei. Die geringsten
Anteile an
alten Menschen mit verordneten PRISCUS-Medikamenten weisen Thüringen
(21,27 Prozent) und Hessen (21,40 Prozent) auf. PRISCUS ist ein
Forschungsverbund,
an dem sich Vertreter von Hochschulen und Kliniken mit der Gesundheit
älterer Menschen beschäftigen.

Kleis berichtet: „Erfreulich ist, dass der Anteil an Senioren mit
verordneten PRISCUS-Medikamenten rückläufig ist.“ 2010 lag er in
Rheinland-Pfalz noch
bei 31,81 Prozent und damit 6,38 Prozentpunkte höher als 2016. Im Jahr
2010 wurde die PRISCUS-Liste erstmals veröffentlicht. Kleis sagt: „Jeder
Arzt, der
einem älteren Patienten Arzneimittel verordnet, ist gefordert, bei der
Nutzen-Risiko-Abwägung des Medikaments die altersspezifischen
Besonderheiten zu
berücksichtigen und die Dosierung entsprechend anzupassen.“ Derzeit
umfasst die PRISCUS-Liste 83 Medikamente, die als potenziell ungeeignet
für alte Menschen
gelten.

Polypharmazie: Rheinland-Pfälzer oft betroffen

„Manchmal ist es nicht ein einzelner Wirkstoff, der gefährliche
Nebeneffekte bei älteren Menschen verursacht, sondern das Zusammenwirken
verschiedener Medikamente.
Das gilt natürlich auch für alle anderen Altersgruppen“, erklärt Kleis.
Umso bedenklicher sei es, dass es laut Arzneimittelreport kaum ein
anderes Bundesland
gibt, in dem mehr Menschen mindestens fünf Medikamente pro Jahr
verordnet werden, als in Rheinland-Pfalz. „In der Medizin spricht man
von Polypharmazie,
wenn Patienten mit fünf oder mehr Medikamenten behandelt werden“,
erläutert die BARMER Landesgeschäftsführerin.

In Rheinland-Pfalz wurden im Jahr 2016 fast jedem Dritten (32 Prozent)
fünf oder mehr Arzneimittel verordnet (2015: 33 Prozent), was Rang fünf
im Vergleich
aller Bundesländer ergibt. Mehr als jeder fünfte Rheinland-Pfälzer (22,4
Prozent) erhielt dabei fünf bis neun Arzneimittel von seinem Arzt. 7,1
Prozent
wurden zehn bis 14 Arzneimittel verschrieben. Mehr als 15 verordnete
Arzneimittel erhielten 2,8 Prozent der Rheinland-Pfälzer.

„Eine unangemessene Übertherapie liegt in Fällen von Polypharmazie nicht
zwangsläufig vor. Teils werden von Patienten mit Polypharmazie
Medikamente unnötig
eingenommen. Das legen viele Untersuchungen nahe“, betont Kleis. Je mehr
Medikamente eingenommen würden, desto höher sei das Risiko von
Wechselwirkungen
zwischen ihnen. Patienten haben seit 1. Oktober 2016 Anspruch auf einen
Medikationsplan, wenn sie mindestens drei zulasten der gesetzlichen
Krankenkassen
verordnete Medikamente gleichzeitig und dauerhaft einnehmen.

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