IQB-Bildungstest an Grundschulen: Rheinland-Pfalz im Mittelfeld

Studie

Aktueller IQB-Bildungstrend weist bundesweit Leistungen von
Grundschülerinnen und Grundschülern in Deutsch und Mathematik aus

„Die Leistungen der rheinland-pfälzischen Grundschülerinnen und -schüler
bewegen sich im direkten Ländervergleich weitgehend im Durchschnitt
aller deutschen
Länder. Entsprechend dem Bundestrend haben wir uns aber im Bereich
‚Zuhören‘ verschlechtert. Natürlich sind wir mit diesem Ergebnis nicht
zufrieden. Es
ist allerdings in einer Zeit entstanden, die für alle Lehrerinnen und
Lehrer mit besonderen Herausforderungen verbunden war. Diese
Herausforderungen begleiten
uns auch in den kommenden Jahren. Wir werden genau analysieren, wo es
welche Defizite gibt, und prüfen, wie wir die Grundschulen zusätzlich
unterstützen
können. Dabei müssen wir die zunehmende Heterogenität der Schülerschaft
besonders in den Blick nehmen“, so Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig
anlässlich
der Präsentation des IQB-Bildungstrends 2016 in Berlin.

Der IQB-Bildungstrend untersucht im Jahr 2016 bundesweit die Kompetenzen
von Viertklässlerinnen und Viertklässlern in den Fächern Deutsch und
Mathematik
und vergleicht diese mit den Ergebnissen der letzten Untersuchung im
Jahr 2011. Die Mehrheit der Länder hat sich im Vergleich zur letzten
IQB-Grundschulstudie
aus dem Jahr 2011 in einem oder mehreren Kompetenzbereichen
verschlechtert. Diese bundesweite Entwicklung spiegelt sich auch in den
rheinland-pfälzischen
Landesergebnissen wider: Während die Kompetenzen beim Lesen stabil
bleiben, hat sich der Bereich „Zuhören“ – wie in fast allen Ländern –
verschlechtert.
Zu den Orthografie-Leistungen wurden 2011 keine Länderergebnisse
ausgewertet, weswegen sich in der aktuellen Studie kein Trend ablesen
lässt. Im Bereich
Mathematik gibt es entgegen dem Bundestrend keine signifikanten
Veränderungen bei den Leistungen der rheinland-pfälzischen Schülerinnen
und Schülern.

„Festzuhalten ist, dass ein Leistungsvergleich immer nur einen kleinen
Ausschnitt von dem abbildet, was Schule in Gänze ausmacht. So weist die
Studie etwa
auch die allgemeine Schulzufriedenheit aus und zeigt, dass die Kinder
gerne zur Schule gehen und sich in ihrem Schulumfeld gut aufgehoben
fühlen. Unsere
Grundschullehrkräfte leisten sehr gute, engagierte Arbeit“, betonte
Ministerin Hubig und kündigte an: „Wir werden über die Studie mit
Elternvertreterinnen
und -vertretern sowie den Lehrkräften in den Dialog treten. Außerdem
werden wir die Ergebnisse im Bildungsausschuss des Landtags vorstellen.“

Kernkompetenzen noch gezielter fördern

Besonders im Bereich der Sprach- und Leseförderung sind in
Rheinland-Pfalz bereits Maßnahmen auf den Weg gebracht worden, um
Schülerinnen und Schüler in
den Kernkompetenzen noch gezielter zu fördern. Diese Maßnahmen bräuchten
aber Zeit, um wirksam zu werden. Die Ministerin wies in diesem Kontext
beispielhaft
auf das Programm Bildung in Sprache und Schrift (BiSS) hin. Im Rahmen
der BiSS-Initiative werden alle wichtigen Aspekte der sprachlichen
Bildung in den
Fokus genommen: Sprechen und Lesen genauso wie das Zuhören.
Rheinland-Pfalz wird die Grundschulen zukünftig mit hilfreichen
Materialien kombiniert mit
qualitativ hochwertigen Fortbildungsangeboten des Pädagogischen
Landesinstituts unterstützen. Zum Schuljahr 2017/2018 ist zusätzlich das
Projekt „Lesen
macht stark – Grundschule“ in der Erprobungsphase zunächst an 15
Grundschulen gestartet.

Beide Programme verfolgen die Ziele, leseschwache Schülerinnen und
Schüler gezielt zu fördern und schuleigene Diagnose- und Förderkonzepte
zu stärken bzw.
aufzubauen. Vergleichbar dem Projekt „Lesen macht stark“ wird auch eine
Initiative zur Stärkung mathematischer Kompetenzen auf den Weg gebracht.

Heterogenität an den Schulen

Die Heterogenität der Schülerinnen und Schüler in den Klassen ist sowohl
in Deutschland insgesamt als auch in einzelnen Ländern, darunter
Rheinland-Pfalz,
noch größer geworden. Die Bildungspolitik muss deshalb den Umgang mit
Heterogenität in den Klassen noch stärker in den Fokus nehmen.

Hier kommt der Sprach- und Leseförderung von Kindern mit und ohne
Migrationshintergrund eine ebenso gewichtige Rolle zu wie der
individuellen Förderung
von leistungsschwachen und leistungsstarken Schülerinnen und Schülern.
„Die Initiative von Bund und Ländern zur Förderung leistungsstarker
Schülerinnen
und Schüler wird einen wichtigen Beitrag leisten, deren Kompetenzen und
Potenziale zu stärken und weiter zu entwickeln“, so Ministerin Hubig.

Wie in früheren Studien bleiben die Geschlechterunterschiede in den
unterschiedlichen Kompetenzen bestehen: Im Fach Deutsch erreichen
Mädchen im Durchschnitt
höhere Kompetenzwerte als Jungen, wohingegen im Fach Mathematik ein
Kompetenzvorteil der Jungen zu verzeichnen ist. Allerdings schneidet
hier Rheinland-Pfalz
besser ab als der Bundesschnitt.

„Das bestärkt uns darin, dass wir mit der MINT-Initiative den richtigen
Weg eingeschlagen haben, um auch mehr Mädchen für diesen Bereich zu
begeistern und
ihnen Mut für MINT zu machen“, so Stefanie Hubig. „Gleichzeitig“, so die
Bildungsministerin weiter, „zeigt sich, dass die Jungen-Förderung bei
den sprachlichen
Fächern noch wichtiger geworden ist. Die Sprach- und Leseförderung ist
hier ein zentraler Pfeiler und deshalb werden wir sie – insbesondere
unter dem Aspekt
der Förderung von Jungen – verstärken.“

Ressourcen

„Um die vor uns liegenden Herausforderungen zu bewältigen, werden wir
auch überprüfen, wo zusätzliche Ressourcen nötig sind, um die
Grundschulen weiter
zu unterstützen und die Schülerinnen und Schüler noch besser zu fördern.
Das umfasst Personalressourcen genauso wie zusätzliche
Fortbildungsangebote für
Lehrkräfte. Wir sind hier schon entscheidende Schritte gegangen und
werden diesen Weg weitergehen“, so die Bildungsministerin.

Rheinland-Pfalz wird an der kontinuierlichen Einstellungspolitik
festhalten. Zum neuen Schuljahr konnten im Gegensatz zu vielen anderen
Ländern erneut alle
Planstellen im Grundschulbereich mit ausgebildeten Grundschullehrkräften
besetzt werden.

Der landesweite Vertretungspool, der bereits im vergangenen Schuljahr
von 800 auf 1.000 Beamtenstellen erweitert wurde, wird um 350 Stellen
weiter deutlich
ausgebaut. Davon sollen in einem ersten Schritt bereits zum zweiten
Halbjahr des laufenden Schuljahres bis zu 100 Stellen im
Grundschulbereich geschaffen
werden.

Um die zunehmende Heterogenität innerhalb der Klassen aufzufangen und
die Unterrichtsqualität kontinuierlich zu verbessern, ist zu prüfen, wie
Lehrkräfte
durch Fortbildungs- und Qualifizierungsangebote des Landes unterstützt
werden können. Dabei bildet auch hier die Sprachförderung für Kinder mit
und ohne
Migrationshintergrund einen Schwerpunkt.

Hintergrundinformationen zur Studie

Der IQB-Bildungstrend 2016 ist der zweite Ländervergleich der
Kompetenzstände in den Fächern Deutsch und Mathematik in der
Grundschule. Die Studie erfolgt
im Auftrag der Kultusministerkonferenz (KMK) und wird vom Institut zur
Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) durchgeführt. Die
regelmäßige Durchführung
der Vergleichsstudien wurde von der KMK im Rahmen ihrer Gesamtstrategie
zum Bildungsmonitoring beschlossen. Ziel ist es zu erfahren, inwieweit
die Schülerinnen
und Schüler die bundesweit geltenden Bildungsstandards zum Ende der
vierten Klassenstufe erreichen und in welchen Bereichen Handlungsbedarf
besteht.

Die Leistungen werden dabei in fünf Kompetenzstufen gestaffelt, von
„unter Mindeststandard“ bis zur höchsten Kompetenzstufe, dem
„Optimalstandard“. Getestet
wurden die Bereiche Lesen, Zuhören und Orthografie in Deutsch und die
Kompetenzbereiche „Zahlen und Operationen“, „Raum und Form“, „Muster und
Strukturen“,
„Größen und Messen“ sowie „Daten, Häufigkeit und Wahrscheinlichkeit“ in
Mathematik. Ergänzt wurde die Studie durch Schülerfragebogen mit Angaben
zur Person
und dem Unterricht. Darüber hinaus erfolgte auch eine schriftliche
Befragung der Schulleitungen, ausgewählter Lehrkräfte sowie der Eltern
der beteiligten
Kinder. Bundesweit nahmen mehr als 29.000 Schülerinnen und Schüler an
1.508 Schulen teil. Darunter 93 Schulen in Rheinland-Pfalz mit rund
1.564 Schülerinnen
und Schülern.

Weitere Informationen zur Studie finden Sie hier:
www.iqb.hu-berlin.de/bt/BT2016

This entry was posted in Allgemein and tagged , , , , , , , , . Bookmark the permalink.

Comments are closed.