Jeder siebte Bewerber findet keinen Ausbildungsplatz

Rheinland-Pfalz: Jeder siebte Bewerber findet keinen Ausbildungsplatz

Das deutsche Ausbildungssystem gilt als Garant für Fachkräfte-Nachwuchs
und gute Jobperspektiven. Jedoch ist sowohl das Ausbildungsangebot der
Betriebe
als auch die Ausbildungsnachfrage der Jugendlichen im Vergleich zu 2007
rückläufig.

Außerdem verliert es an Integrationskraft: Hauptschüler und Ausländer
bleiben vielfach außen vor.

Gütersloh 18.12.2017. Obwohl sich in Rheinland-Pfalz 2016 gut 20 Prozent
weniger Jugendliche um einen Ausbildungsplatz bewarben als 2007, bleibt
der Ausbildungsmarkt angespannt. Denn im selben Zeitraum verringerte
sich auch die Zahl der angebotenen Ausbildungsstellen in den Betrieben.
Jeder siebte Bewerber geht daher bei der Suche nach einem
Ausbildungsplatz leer aus. Das geht hervor aus dem „Ländermonitor
berufliche Bildung 2017“ des Soziologischen Forschungsinstituts
(SOFI) und der Abteilung für Wirtschaftspädagogik der Universität in
Göttingen, der von der Bertelsmann Stiftung gefördert wurde.

Zwischen 2013 und 2016 sank die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze
um 2,7 Prozent auf 27.630. Einen größeren Rückgang verzeichneten im
selben Zeitraum nur Nordrhein-Westfalen und Hessen. Einen starken Abbau
von Ausbildungsplätzen um rund zehn Prozent verzeichnete zwischen 2013
und 2016 der Arbeitsagenturbezirk Ludwigshafen. In Trier und
Kaiserslautern-Pirmasens hingegen erhöhte sich die Zahl der
Ausbildungsstellen wieder leicht.

Angebot an Ausbildungsplätzen in allen Landesteilen zu gering

Weil die Zahl der Bewerber landesweit noch stärker zurückging (um 4,5
Prozent auf 30.108) als das Angebot, haben sich die Aussichten für den
einzelnen Bewerber auf dem Ausbildungsmarkt trotzdem leicht verbessert.
2016 kamen auf 100 Bewerber rechnerisch nur 92 Ausbildungsplätze. Da von
den ohnehin knappen Ausbildungsplätzen
auch noch 6 Prozent unbesetzt blieben, schlossen 14 Prozent der Bewerber
in Rheinland-Pfalz keinen Ausbildungsvertrag ab.

In keinem der 9 Arbeitsagenturbezirke entsprach das Angebot an
Ausbildungsplätzen der Nachfrage. Besonders problematisch war die
Situation auf dem Ausbildungsmarkt in Kaiserslautern-Pirmasens (87
Stellen pro 100 Bewerber), Montabaur (88) und Bad Kreuznach (89).
Günstiger, aber ebenfalls unzureichend waren die Aussichten für
Jugendliche in Koblenz-Mayen (97) und Trier (96). Besonders stark ist
der Wettbewerb um Ausbildungen zu medizinischen Fachangestellten. Für
diese Berufe
kommen lediglich 88 Stellen auf 100 Bewerber. Über zu wenig Interesse
klagen hingegen Lebensmittelhandwerk und Speisenzubereitung. Diese
Berufe steuern
in einen Engpass an Fachkräfte-Nachwuchs.

Entspannung auf dem Ausbildungsmarkt könnte in naher Zukunft eintreten,
wenn geburtenschwache Jahrgänge die Schule verlassen. Die Altersgruppe
der aktuell
5- bis 14-Jährigen umfasst lediglich 78 Prozent der 15- bis 24-Jährigen.
Sofern das Angebot an Ausbildungsplätzen stabil bleibt, dürften sich die
rechnerischen
Chancen der Jugendlichen auf Ausbildung in den kommenden Jahren verbessern.

Schlechte Chancen für Hauptschüler und Ausländer

Von den Schulabgängern, die über keinen Abschluss oder einen
Hauptschulabschluss verfügen, schaffen nur 42 Prozent den Sprung in eine
Ausbildung im dualen
System oder im Schulberufssystem. Bundesweit gelingt dies 49 Prozent der
Hauptschüler. Wer keine Ausbildungsmöglichkeit findet, wechselt zumeist
in eines der zahlreichen ausbildungsvorbereitenden Angebote des
sogenannten Übergangssystems, in denen jedoch keine Berufsabschlüsse
erworben werden können. Schulabgängern
mit mittlerem Abschluss hingegen gelingt der Sprung in Ausbildung zu 97
Prozent.

Jugendlichen ohne deutschen Pass gelingt es in Rheinland-Pfalz deutlich
seltener als ihren deutschen Altersgenossen, eine Ausbildung
aufzunehmen. 44 Prozent von Ihnen wechseln in das Übergangssystem,
deutsche dagegen nur zu 26 Prozent. Die Unterschiede zwischen beiden
Gruppen sind allerdings weniger stark ausgeprägt als im
Bundesdurchschnitt. Vor dem Hintergrund der Benachteiligung von
Ausländern auf dem Ausbildungsmarkt und dem landesweit noch
unzureichenden Angebot an Ausbildungsplätzen wird die Integration der
jungen Schutz- und Asylsuchenden in die berufliche Bildung in den
kommenden Jahren in Rheinland-Pfalz eine
besondere Herausforderung darstellen.

Die Bertelsmann Stiftung setzt sich dafür ein, jedem jungen Menschen die
Chance auf einen Berufsabschluss zu eröffnen. Dafür fordert sie bessere
ausbildungsbegleitende Unterstützung für kleine Betriebe und Azubis,
eine intensivere berufliche Orientierung während der Schulzeit sowie
eine Ausbildungsgarantie in Form von staatlich geförderten
Ausbildungsplätzen für Jugendliche, die bei der Suche erfolglos bleiben.

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