Sind wir zu dick?


Rheinland-Pfalz hat ein dickes Problem – TK fordert Aktionsplan gegen
Adipositas

Mainz, 2. Januar 2018. Rheinland-Pfalz hat ein dickes Problem. Nach
Angaben der aktuellen Ernährungsstudie „Iss was, Deutschland.“ der
Techniker Krankenkasse (TK) gaben vier von zehn Befragten an,
übergewichtig zu sein, weitere sechs Prozent bezeichneten sich als stark
übergewichtig. Hierbei handelt es sich um die Selbsteinschätzung der
Befragten, andere Studien wie die Studie zur Gesundheit Erwachsener in
Deutschland (DEGS) des Robert Koch-Instituts gehen davon aus, dass zwei
Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen in Deutschland zu viel auf
die Waage bringen. Die Folge: Ernährungsbedingte Erkrankungen wie
Herz-Kreislauf-Beschwerden und Stoffwechselstörungen nehmen dramatisch
zu. Allein die TK verzeichnete 2016 fast 700.000 Arztbesuche sowie knapp
130.000
Klinikaufenthalte mit der Diagnose Adipositas. Die Krankenkasse fordert
deshalb einen bundesweiten Aktionsplan gegen Adipositas, an dem sich
Politik, Gesundheitswesen, Industrie und Verbraucher gleichermaßen
beteiligen sollen.

Schon fast jeder Zehnte ist von Diabetes Typ 2 betroffen

Nicht verwunderlich ist es da, dass auch die Zahl der Menschen mit
Diabetes Typ 2 ansteigt. Laut Versorgungsatlas des Zentralinstituts für
die kassenärztliche
Versorgung (Zi) waren 2015 knapp 9,5 Prozent der Menschen in Deutschland
von der Stoffwechselerkrankung betroffen, 2009 waren es noch 8,9
Prozent. Insbesondere die ostdeutschen Bundesländer liegen mit einem
Krankheitsvorkommen von 11,6 Prozent deutlich über dem
Bundesdurchschnitt. In Rheinland-Pfalz wird eine besonders hohe
Diabetes-Typ-2-Rate im Kreis Pirmasens ermittelt, stark über dem
Durchschnitt liegen außerdem die Kreise Frankenthal, Zweibrücken und
Südwestpfalz.
Insgesamt sind 21 der 36 Landkreise und kreisfreie Städte
überdurchschnittlich betroffen.

Bisherige Maßnahmen haben versagt

„Der Anstieg bei Übergewicht und Diabetes-Erkrankungen zeigt, dass
bisherige Maßnahmen versagt haben. Lebensstilbedingte Erkrankungen
medikamentös zu behandeln erscheint vielen Menschen als der vermeintlich
leichtere Weg. So kann es aber nicht endlos weitergehen. Politik,
Gesundheitswesen, Industrie und auch die Versicherten müssen an einem
Strang ziehen, um das Problem in den Griff zu bekommen“, erklärt Jörn
Simon, Leiter der TK-Landesvertretung in Rheinland-Pfalz.

TK fordert Fokus auf Patientengespräche

Simon kritisiert, dass es im Gesundheitswesen zu wenig Anreize gibt,
sich um die Gesundheit der Menschen zu kümmern. „Medikamente sind
schnell verschrieben und leicht eingenommen. Hier fehlt es an den
richtigen Anreizen“, so Simon. Deshalb müsse der Gesetzgeber
Rahmenbedingungen schaffen, um die schwerwiegenden Fehlanreize zum
Beispiel auch beim Finanzausgleich der Krankenkasse (Morbi-RSA) zu
korrigieren. „Würden Ärzte mehr Geld für Patientengespräche bekommen und
nicht durch die Hintertür für das richtige Codieren der Krankheiten,
sähe die Sache vielleicht anders aus“, glaubt Simon.

Gesunde Ernährung wird unnötig schwer gemacht

Auch die Lebensmittelindustrie sieht er in der Pflicht: „Die gesunde
Ernährung wird uns unnötig schwer gemacht. Viele Produkte enthalten zu
viel Fett und
zu viel Zucker, und es wird auf den Verpackungen nicht einmal
verständlich ausgewiesen. Hier ist die Politik gefordert, dafür zu
sorgen, dass die Verbraucher
sich vernünftig informieren können.“ Auch die seit 1. Oktober geänderte
EU-Zuckermarktregelung, wonach die Quoten für Isoglukose wegfielen, sei
bedenklich,
erklärt Simon. Der billige Zuckersirup aus Mais oder Weizen kann danach
nun auch verstärkt von europäischen Lebens- und Getränkeherstellern
verwendet werden.
Ernährungsexperten befürchten eine regelrechte Zucker-Schwemme und ein
Ansteigen der Verzehrmenge, wodurch Stoffwechsel- und
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
weiter begünstigt würden.

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