„Viktors Kopf“ – Filmvorführung und Diskussion mit der Autorin in Ludwigshafen

Georg Viktor Kunz: Kriegsgegner, Separatist, Agitator,
Widerstandskämpfer und Naziopfer

Filmvorführung „Viktors Kopf“ und Diskussion mit Autorin am Donnerstag,
18. Januar 2018 in Ludwigshafen

Zur Vorführung des Films „Viktors Kopf“ laden die Landeszentrale für
politische Bildung und der Historische Verein der Pfalz, Bezirksgruppe
Ludwigshafen-Mannheim am Donnerstag, 18. Januar 2018 um 18.30 Uhr in den
Vortragssaal des Stadtarchivs Ludwigshafen (Rottstraße 17) ein. Die
Filmautorin Carmen Eckhardt macht sich in ihrem Film auf die Suche nach
der Geschichte ihres Urgroßvaters Georg Viktor Kunz. In einem Gespräch
nach dem Film diskutiert die Autorin den Umgang mit der NS-Vergangenheit
mit dem Publikum. Der Eintritt ist frei.

Zum Film und zu Georg Viktor Kunz
Georg Viktor Kunz wurde 1888 geboren. Sein Vater war Georg Baron von
Oertzen, Generalkonsul des Deutschen Reiches in Marseille. Kunz war wohl
schon als Jugendlicher politisch als Delegierter der Sozialistischen
Arbeiter-Jugend und als Gewerkschaftsmitglied engagiert.
Als Soldat im Ersten Weltkrieg agitierte er gegen den Krieg und
verschob Waffen an streikende Arbeiter. Ein Kriegsgericht sprach ihn aus
Mangel an Beweisen frei.
1920 schloss er sich in Berlin der KAPD an, einer Linksabspaltung der
KPD. Im Herbst 1922 wurde er zu einem dreiwöchigen Solidaritätsstreik
für entlassene
Betriebsräte der BASF-Belegschaft entsandt. Er wurde schnell zum
Sprecher der dortigen Arbeitslosenbewegung, die von der
antiparlamentarischen Allgemeinen
Arbeiterunion getragen wurde.
1923 war er führendes Mitglied der pfälzischen Separatisten und nach dem
Attentat auf Franz Josef Heinz am 9. Januar 1924 Arbeitsminister und
Kommandeur der separatistischen Miliz der Regierung der Autonomen Pfalz.
Obwohl die Autonome Pfalz am 17. Februar 1924 durch die
Rheinlandkommission liquidiert worden war, trat er schon im März 1924
während des nun fünfwöchigen Arbeitskampfes gegen den Neunstundentag bei
der BASF in Ludwigshafen wieder in Erscheinung.
Zusätzlich gründete er zusammen mit früheren separatistischen
Milizionären am 29./30. März 1923 in Speyer die Rheinische
Arbeiterpartei. Georg Viktor Kunz
emigrierte 1924 nach Frankreich. Nach dem Einfall der Deutschen 1940 in
Frankreich, ging Kunz im besetzten Elsass in den Widerstand, bis die
Gestapo ihnverhaftete und 1943 in Stuttgart hinrichtete.
In der Familie galt er als verschollen, Nachfragen waren tabu. Erst eine
lange Spurensuche der Autorin in Archiven, darunter auch im Stadtarchiv
Ludwigshafen, in Museen und der eigenen Familie brachte sein Schicksal
ans Licht. Dabei entstanden aufrüttelnde, bewegende und teils groteske
Szenen, die den schwierigen Umgang mit der Vergangenheit in Familien und
Gesellschaft beleuchten.

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