Umweltschädliches Abwasser nutzbar machen – Landauer Forscher in Olivenhainen


Olivenöl gehört zur Grundausstattung fast jeder Küche. Wie schädlich
jedoch das Abwasser sein kann, das bei der Herstellung des Öls entsteht,
hat eine Gruppe
von Wissenschaftlern um Professorin Gabriele Schaumann vom Institut für
Umweltwissenschaften am Campus Landau im Projekt Trilat-Oliveoil
untersucht. Doktorand
Markus Kurtz berichtet von der trilateralen Zusammenarbeit mit
israelischen und palästinensischen Forschern und erklärt, wie das
Olivenölabwasser für die
Olivenhaine Israels unschädlich und nutzbar gemacht werden kann.

Die Auswahl an Olivenölen aus unterschiedlichen Regionen der Welt ist
groß. In Israel und den palästinensischen Gebieten liegt die
Bewirtschaftung von Olivenhainen
fast ausschließlich in familiärer Hand. Sowohl in der trockenen
Vegetation im Süden des Landes als auch im bergigen Felsland im
Westjordanland wachsen
die Sträucher mit den beliebten Früchten. Das Abwasser, das bei der
Produktion des Öls entsteht, stellt für die Bauern jedoch eine große
Herausforderung
dar. Mangels fehlender Infrastruktur für eine umweltgerechte Entsorgung
wird es häufig in schädlich großen Mengen auf den Feldern ausgebracht
oder illegal
in Flüsse eingeleitet.

Die Arbeitsgruppe Umwelt- und Bodenchemie der Universität Koblenz-Landau
hat sich dieser Problematik angenommen und im Rahmen eines von der
Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten trilateralen Projekts
gemeinsam mit der Agricultural Research Organization (ARO) aus Israel
und der al-Quds-Universität in Ost-Jerusalem,
Palästina, Untersuchungen in verschiedenen Feldern in Israel
durchgeführt. Markus Kurtz, Doktorand im Projekt
Trilat-Oliveoil, berichtet von den Analysen,
die die Forscher über fünf Jahre hinweg in zwei für das Land
repräsentativen Olivenhainen durchgeführt haben. Während ARO eine
Forschungsstation in Süd-Israel,
westlich der Stadt Be’er Sheva, eingerichtet hat, haben ein Forscher und
ein Mitarbeiter der palästinensischen al-Quds-Universität ein privates
Feld in
Palästina, 30 Kilometer nördlich von Jerusalem, zur Verfügung gestellt.
In beiden Teilen des Landes haben die Landwirte mit der
Abwasser-Problematik zu
kämpfen.

Das Problem: Schadstoffe durch Olivenöl-Abwasser

Kurtz selbst war inzwischen fünf Mal vor Ort und hat sich mit der Lage
vertraut gemacht. Die Forscher haben durch Experimente herausgefunden,
wie sich das
Abwasser auf verschiedenen Böden verhält und wie es die israelischen
Bauern besser für ihre Haine nutzen können. „Bei der Gewinnung von einem
Liter Olivenöl
entstehen mehr als drei Liter Abwasser“, erklärt der Doktorand den
Produktionsprozess. „Man nehme ein Kilo Oliven, zerkleinere sie und
presse sie mit speziellen
Maschinen aus. Damit die Maschine nicht verstopft, muss Wasser zugeführt
werden. Am Ende des Prozesses werden die Phasen durch eine Zentrifuge
getrennt.
Es entsteht die ölige Phase – das Olivenöl, die feste Phase – die
Abfallreste der Oliven, und eine wässrige Phase – das Olivenöl-Abwasser.“

Da jedes Jahr viele Tonnen Oliven geerntet werden, werden tausende Liter
des genannten Abwassers produziert. Die dunkle, trübe Flüssigkeit, reich
an organischem
Kohlenstoff, kann nicht wie in Deutschland in einer Kläranlage gereinigt
werden. Kurtz erläutert den Unterschied: „Unsere Abfälle werden in einer
solchen
Anlage geklärt, das heißt, der Anteil organischer Stoffe wird durch
mikrobielle Aktivität zersetzt. Dabei wird Sauerstoff verbraucht. Da das
Abwasser in
Israel so hochorganisch ist, würde entweder so viel Sauerstoff
verbraucht, dass das gesamte Klärsystem umkippen würde. Oder aber man
müsste es verdünnen,
was bedeuten würde, noch mehr Wasser zuführen zu müssen. Das kann bei
der Wasserknappheit in Israel einfach nicht gewährleistet werden.“
Erschwerend kommt
hinzu, dass sich die Erntesaison der Oliven auf Oktober bis Dezember
beschränkt, und das gesamte Abwasser so innerhalb weniger Monate
zusammenkommt.

Die Lösung: Boden als Klärwerk

Ein Lösungsansatz der Wissenschaftler ist, den Erdboden als natürliches
Klärwerk zu nutzen und das Abwasser kontrolliert darauf auszubringen. Da
im Winter
die Böden jedoch kalt und nass sind und die mikrobielle Aktivität in
dieser Zeit auf ein Minimum reduziert ist, kann der hohe Anteil
organischer Stoffe
nicht abgebaut werden – und ist in dieser Menge Gift für die Felder. Das
Abwasser wird darum in großen Kanistern oder unterirdischen Tanks
aufbewahrt und
erst im Frühling auf den Feldern ausgebracht. Dann ist der Wassergehalt
im Boden niedriger, die Bodentemperatur und die biologische Aktivität
deutlich
höher. Davon erhoffen sich die Forscher, dass die Abbaumechanismen der
organischen Reste besser funktionieren.

Es scheint eine naheliegende, logische und kostengünstige Lösung zu
sein, das Wasser kontrolliert erst im Frühjahr auszubringen. Denn neben
der hohen Konzentration
an organischen Stoffen beinhaltet es auch viele Nährsalze, die Pflanzen
und Böden guttun können. In Israel wurden Experimente mit
unterschiedlichen Applikationsmengen
des Abwassers durchgeführt, um zu testen, wie der Boden und die Pflanzen
das vertragen. „Es hat sich bewiesen, dass es eine effektive Methode
ist, den
Boden schrittweise zu bewässern“, erzählt Kurtz. „Unsere Tests haben
gezeigt, dass ein Jahr später keine negativen Folgen durch das Abwasser
zu sehen sind.
Was man einschränkend dazu sagen muss, ist, dass es stark von der
Bodenart und der Behandlung des Bodens durch Pflügen und Bewässerung
abhängt, ob die
Methode funktioniert“, erklärt Kurtz.

Internationale Abschlusstagung in Landau

Das TRILAT-Projekt neigt sich dem Ende zu. Die Feldexperimente vor Ort
sind abgeschlossen. Derzeit laufen die letzten Analysen und Messungen,
bevor in etwa
einem Jahr die letzten Abschlussberichte publiziert werden. Außerdem
wird ein Leitfaden auf Hebräisch, Arabisch und Englisch für die Bauern
erstellt, wie
sie mit ihren Böden, dem Abwasser und ihren Olivenhainen umgehen können,
um mit der Problematik auch nach Abschluss der Untersuchungen umgehen zu
können.
Der Vorschlag der Forschergruppe bietet den Bauern eine günstige, leicht
zu erklärende und einfach umsetzbare Lösung für das Abwasser-Problem
. Projektleiterin Schaumann ist zufrieden: „In diesem Projekt haben
israelische, palästinensische und deutsche Nachwuchswissenschaftler,
während und trotz
politischer Krisen, gemeinsam und auf hohem wissenschaftlichen Niveau,
eine Lösung für ein Umweltproblem erarbeitet, das sowohl in Israel als
auch in Palästina
hoch relevant ist“.

Aktuell bereitet sich das Landauer Team auf eine
abschließende Konferenz vor, die vom 26. bis 28. März in Landau
stattfinden wird. Bei der Konferenz treffen alle Projektpartner
zusammen, um die Ergebnisse zusammenzutragen. Wissenschaftler
aus aller Welt, die an diesem Thema arbeiten, sind eingeladen, die
Erkenntnisse des Projekts zu diskutieren. Kurtz freut sich auf den
Austausch: „Wir treffen
uns mit allen Koordinatoren, ehemaligen Promovenden und Studierenden,
die am Projekt beteiligt waren. Die Teilnehmer reichen ihre Beiträge ein
und wir
sind gespannt auf die Impulse der Wissenschaftler.“ Thematisch soll sich
die Konferenz nicht nur auf das Olivenöl-Abwasser, sondern allgemein auf
flüssige
Abwässer und feste Abfälle, die auf Böden appliziert werden, ausrichten.
Die Teilnehmer erwartet ein dreitägiges Programm aus Vorträgen, Poster
Sessions
und freier Zeit für Diskussionen. In diesem Rahmen soll Trilat-Oliveoil
seinen Abschluss finden.

von unserer Mitarbeiterin Nina Seel

This entry was posted in Allgemein and tagged , , , , . Bookmark the permalink.

Comments are closed.