Alte Menschen vor Gewalt in der häuslichen Pflege schützen

Alte Menschen besser vor Gewalt in der häuslichen Pflege schützen

Internationale Konferenz in Mainz befasst sich am 1. und 2. März mit der
Gewalt in der häuslichen Pflege alter Menschen und möglichen
Schutzkonzepten

Gewalt in der häuslichen Pflege alter Menschen ist kein Einzelfall.
Dieses Problem ist in einer fast unüberschaubaren Anzahl internationaler
Studien dokumentiert.

Wie alte Menschen jedoch vor Gewalt geschützt werden können, wird
bislang kaum in Politik und Wissenschaft thematisiert. Jetzt beschäftigt
sich ein Symposium an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) mit
dem Thema. Ziel ist es, die Aufmerksamkeit auf den Schutz vor Gewalt bei
der Pflege alter Menschen zu lenken und das Thema auf die politische und
wissenschaftliche Agenda zu setzen. „Wir sehen, was in der Kinder- und
Jugendhilfe in den letzten Jahren
erreicht wurde und welche Mittel zur Verfügung stehen, um in Zukunft
weitere Verbesserungen für das Wohl von Kindern und Jugendlichen zu
erzielen“, erklärt
Prof. Dr. Cornelia Schweppe vom Arbeitsbereich Sozialpädagogik der JGU.
„In der Pflege von alten Menschen haben wir nichts Vergleichbares –
nicht im Geringsten“,
so Schweppe. Sie hofft, dass die Mainzer Tagung mit international
renommierten Expertinnen und Experten einen Anstoß gibt, um alte
Menschen vor Gewalt
in der häuslichen, aber auch stationären Pflege künftig besser zu
schützen. Cornelia Schweppe kam 2002 als Professorin für Sozialpädagogik
ans Institut
für Erziehungswissenschaft der JGU und erhielt 2014 zur Unterstützung
ihrer Forschungsarbeiten ein Fellowship des Gutenberg Forschungskollegs
(GFK).

Bei dem internationalen Symposium „Protection against Violence in Home
Care Settings for Older Adults“ werden am 1. und 2. März führende
Expertinnen und
Experten im Bereich von Gewaltschutzkonzepten in Mainz zusammenkommen,
um Zukunftsperspektiven zur Sicherung des Altenwohls zu diskutieren.
Insbesondere im deutschen Kontext soll das Symposium dazu beitragen,
eine zukunftsweisende Debatte zur Gewaltprävention und zur Entwicklung
wirkungsvoller Schutzkonzepte in der Pflege anzustoßen. „Gewalt ist kein
Thema, das auf häusliche Pflege begrenzt ist“, erläutert Schweppe. „Auch
der stationäre Bereich ist betroffen.“

Allerdings überwiegt gerade in Deutschland die häusliche Pflege bei
Weitem. „Die Pflege wird auf die Familien abgeschoben, die damit häufig
sehr überfordert
sind“, sagt die Sozialpädagogin. „Gewalt resultiert aus diesen
Strukturen und ist nicht ein individuelles oder rein persönliches Problem.“

Auch in Zukunft dürfte sich an der Situation, dass Angehörige vorrangig
zu Hause gepflegt werden, kaum etwas ändern. Eine gewisse Entlastung für
die pflegenden Familienmitglieder bringt vielleicht die Anstellung von
ausländischen Pflegekräften mit sich – oft allerdings auf Kosten höchst
problematischer Arbeitsbedingungen
der aus Osteuropa kommenden Frauen. Mit geschätzt bis zu ca. 300.000
migrantischen Pflegearbeiterinnen in privaten Haushalten ist diese
Pflegeform derzeit der absolute Boom. Aber auch diese
24-Stunden-Betreuung ist nicht ohne Problematik.

Vor diesem Hintergrund wird sich das Symposium aus verschiedenen
Perspektiven mit dem Thema befassen und sozialpädagogische,
rechtswissenschaftliche und
gerontologische Bezüge zusammenführen. In die Diskussion werden
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Akteurinnen und Akteure
aus Politik, Zivilgesellschaft
und Praxis eingebunden. Die Veranstaltung wird vom Institut für
Erziehungswissenschaft der JGU und dem Frankfurter Forum für
interdisziplinäre Alternsforschung
der Goethe-Universität organisiert. Sie findet am 1. und 2. März 2018 im
Erbacher Hof, Grebenstraße 22-24, 55116 Mainz statt. Alle Vorträge des
Symposiums sind öffentlich. Um Anmeldung bis zum 17. Februar 2018 unter
ertl@uni-mainz.de
wird gebeten. Die Tagungssprache ist Englisch.

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